Die 7 Sakramente - 2. Die Buße/Beichte

Im Zusammenhang mit der Erstkommunion wird vorher ein weiteres Sakrament gespendet – das Sakrament der Buße, auch als Beichte bekannt. Es wird auch als das Sakrament der Versöhnung bezeichnet. Dabei handelt es sich um eines der beiden Sakramente der Heilung. Dieses Sakrament wurde auch wieder von Jesus eingesetzt, und er trug seinen Aposteln auf: ‚Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert‘ Joh.20, 22-23.

Katholiken glauben, dass es entschuldbare, auch lässliche Sünden genannt und tödliche Sünden gibt. Lässliche Sünden hinterlassen auf der Seele bloß leichte Wunden, während tödliche Sünden (z.B. Mord – hierunter fällt auch die Abtreibung ungeboren Lebens, Entweihung der Heiligen Eucharistie, das Abwenden von Gott) die Gnade töten kann. Dieses Sakrament kann nur von einem Priester oder dem Bischof gespendet werden. Eingeführt wurde die Einzelbeichte von irischen Mönchen des 6. und 7. Jahrhunderts, die im Laufe der Zeit für die Kirche zur Regel wurde. Früher fand die Beichte für öffentliche Sünden vor der Gemeinde statt. Wenn also ein Christ, um der Verfolgung zu entgehen und das Leben zu retten, seinen Glauben verleugnete, wurde das früher in der Kirchengemeinde gebeichtet. Da die Christen der Urkirche meist in kleinen Gruppen eng zusammen lebten, und jeder über den anderen genau Bescheid wusste, war das eine übliche Form seine Sünden zu beichten. Im Allgemeinen wussten die anderen der Gemeinschaft sowieso was man gesagt oder getan hatte.

Als die Zugehörigkeit zur christlichen Religion nicht mehr unter Verfolgung stand und sie zur Staatsreligion wurde, wurden auch die Gemeinden immer größer, sodass man dem Beichtenden (auch Pönitenten genannt) die peinliche und manchmal auch heikle Situation ersparen wollte. So wurde die Beichte zu einem persönlichen Akt, an dem neben dem Beichtenden nur noch der Priester oder Bischof anwesend war. Vielleicht erkannte man auch mehr die Bedeutung der Indivitualität des Menschen und des persönlichen Gewissens. Denn die Größe und Schwere einer Schuld hängt nicht nur von objektiven Tatsachen ab, sondern auch davon, aus welchem Motiv und aus welchem Gewissensstand heraus die Tat gegangen wurde.

In der Beichte bekennt man dem Priester alle bekannten Sünden, die man seit der letzten Beichte begangen hat. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass ein Priester zu absoluter Geheimhaltung verpflichtet ist. Er unterliegt dem Beichtgeheimnis; sollte er dieses brechen, droht automatisch die Exkommunizierung. Kein Priester kann gezwungen werden zu offenbaren, was eine Person gebeichtet hat, und kein Priester hat je ein Geheimnis aus dem Beichtstuhl offenbart.
Es gibt vielmehr viele Priester, die den Tod in Kauf genommen haben, um das Beichtgeheimnis zu wahren. So z.B. der hl. Johannes Nepomuk (1340 – 1393), der Patron der Beichtväter, der hingerichtet wurde, weil er dem König nicht offenbaren wollte, was die Königin bei ihm gebeichtet hatte. So muss auch heute noch jeder Priester bereit sein, Gefängnis, Folter und Tod auf sich zu nehmen, um das Beichtgeheimnis zu wahren. So kann also jeder Beichtende sicher sein, dass seine Sünden nicht weiter erzählt werden.

Nach der Beichte erhält man die Absolution, Lossprechung der Sünden, und man bekommt vom Priester eine Bußübung aufgetragen, die den guten Willen des Beichtenden stärken soll.
Bei der Beichte geht es nicht darum, vor einem Priester die Verfehlungen zuzugeben, damit Gott Bescheid weiß, er kennt unsere Fehler und Schwächen viel besser als jeder andere. Es geht dabei einmal darum, dass der Beichtende sich selbst reflektiert, sich und sein Verhalten genau ansieht und seine Fehler vor allem auch sich selbst eingesteht. Der Priester ist eigentlich auch mehr Beistand und Ratgeber, wie der Beichtende sein Verhalten ändern kann, wie er sich gemäß dem Beispiel Jesu künftig besser verhalten kann. Und die Bußübung ist weniger als Strafe anzusehen, sondern vielmehr als Übung, um sein Verhalten zu bessern. Der Priester ist also eigentlich mehr Dolmetscher – das Wort und Beispiel Jesu zu verstehen – und Trainer, als mahnender ‚Bestrafer‘.
Seit Gott Mensch geworden ist in Jesus, will Gott alles, was Er am Menschen und für den Menschen tut, durch Menschen hindurch wirken, so z.B. auch die Vergebung der Sünden durch die von ihm berufenen Apostel und deren Nachfolgern. Zum anderen geht es bei der Beichte bei einem Priester um die Tatsache, dass der Mensch nicht nur Individuum ist, sondern wesentlich auch Gemeinschaftswesen. Als Glied der Kirche sündigt der Christ nicht nur gegen sich selbst und gegen Gott, sondern er schädigt auch die Gemeinschaft der Kirche, den geheimnisvollen Leib der Kirche. Und in der Beichte vor einem Vertreter der Kirche wird das sichtbar. Durch die Kirche und für die Kirche wird die Schuld auf Grund des Kreuzesopfers Jesu, der alle Schuld für uns bezahlt hat, vergeben.

Ein wichtiger Aspekt, um die Absolution zu erhalten, ist die aufrichtige Reue. Man kann einen Priester anlügen und sagen ‚Ich bereue‘. Gott kann man nicht anlügen, er erkennt die Lüge sofort. Und man hat bereits eine neue Sünde begangen und die Absolution ist ‚ungültig‘. Es muss einem mehr Leid tun, dass man durch sein Verhalten, seine Sünde, Gott beleidigt und die Kirche verletzt hat, als die Angst vor einer Bestrafung im Jenseits. Bevor man die Heilige Eucharistie empfängt, ist es wichtig, alle seine Totsünden gebeichtet zu haben, da man sonst weitere Sünden auf sein Gewissen lädt, und ein Sakrileg begeht. (Das bedeutet, dass man etwas Heiliges für unwürdige Zwecke benutzt)

Neben der Einzelbeichte, die anonym oder auch in einem persönlichem Gespräch stattfinden kann, gibt es auch die sogenannten Bußgottesdienste. Diese Gottesdienste dienen der Vorbereitung für die Beichte, vor allem in der Advents- und Fastenzeit. Die Gemeinde kommt zusammen, wird sich als eine Gemeinschaft von Sündern bewusst, bereut, besinnt sich auf ein besseres Christenleben und fasst entsprechende Vorsätze. Der Ablauf dieser Gottesdienst (Lieder, Gebete, Lesungen aus der Heiligen Schrift, Predigt, Reuegebet und Bitte an Gott um Vergebung) dient diesem Ziel einer Erneuerung im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung. Die Vergebungsbitte des Priesters entspricht derjenigen zu Beginn jeder hl. Messe, bei der die lässlichen Sünden vergeben werden. Nach der Vorbereitung durch den Bußgottesdienst nehmen einige Gläubige noch die Gelegenheit zu einer Einzelbeichte gerne wahr. Beim Bußgottesdienst sind der Gemeinschaftscharakter sowohl der Sünde als auch der Vergebung besonders sichtbar.

In Zeiten besonderer Not, bei Krieg und Naturkatastrophen, wenn es den einzelnen Priestern nicht möglich ist, die Beichte von jedem Einzelnen zu hören, kann ein Priester den Bischof um die Erlaubnis bitten, die Generalabsolution ohne Einzelbeichte zu erteilen.
Für die Erlaubnis zur Generalabsolution reicht eine große Menge Beichtender, die von nur einem Priester gehört werden soll, nicht aus. Es muss ein ernster und schwerwiegender Grund dafür vorliegen, dass ein Ortsbischof diese spezielle Form der Beichte erlauben wird. Außerdem entbindet sie nicht von der Einzelbeichte. Jeder der eine Generalabsolution erhalten hat muss schnellstmöglich eine Einzelbeichte ablegen.
Soldaten wird z.B. im Kriegsfall eine Generalabsolution erteilt, und sobald sie von ihrem Einsatz zurückkehren, sind sie verpflichtet, umgehend zu einer Einzelbeichte zu gehen.
Ein Sonderfall der Generalabsolution bildet das Sakrament der Krankensalbung. Wenn ein Kranker aus verschiedenen Gründen nicht mehr in der Lage ist, seine Sünden zu bekennen, aber die Vergebung ersehnt oder man voraussetzt, dass er sie will, wird ihm durch die Krankensalbung die Vergebung aller seiner Sünden gewährt. Die Vergebung aller Sünden geschieht auch bei der Taufe.

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