Gehorsam I

Silvia: Meine Frage ist: Ich habe Jesus kennengelernt, und Er ist der Inhalt und das Ziel meines Lebens geworden. Was muss ich jetzt tun?

P. Rainer: Nichts mehr!

Silvia: Nichts mehr?

P. Rainer: Ja, wenn Jesus in jedem Augenblick der Inhalt und das Ziel deines Lebens ist, brauchst du nichts anderes mehr zu tun. Dein Glas ist voll. Du bist dann satt, wie ein Kind, das an der Brust der Mutter getrunken hat und nun satt ist.

Silvia: Satt. Satt von Jesus – ich glaube, das war ich nur wenige Augenblicke in meinem Leben, um nicht zu sagen: nie.

P. Rainer: Ganz satt, ganz glücklich werden wir in diesem Leben auch nicht. Es fehlt immer noch etwas, zumindest das Ingrediens der Ewigkeit.

Silvia: Also sollte ich besser fragen: Wie werde ich ganz glücklich?

P. Rainer: Durch Jesus!

Silvia: Und wie macht Jesus mich glücklich?

P. Rainer: Indem er die echten, waren und ursprünglichen Bedürfnisse deines Herzens stillt.

Silvia: Und die sind?

P. Rainer: Die solltest du eigentlich kennen. Aber deine Frage ist richtig. Denn der Mensch zieht sich – verlockt durch die Triebe in ihm und die Umwelt um ihn – andere Bedürfnisse an, die nicht mehr die tiefen, ursprünglichen Bedürfnisse seines Herzens sind.

Silvia: Und die sind?

P. Rainer: Das Verdienen wollen, das Vielgeldhaben wollen, das Spaßhaben- und Genießen wollen, Das Gelten wollen.

Silvia: Und das sind nicht die echten, ursprünglichen Bedürfnisse!

P. Rainer: Nein! Die echten und ursprünglichen Bedürfnisse siehst du am kleinen Kind: Zuerst einmal Geliebt werden und lieben. Dann das Bedürfnis nach Geborgenheit, Freiheit, Sicherheit, Gemeinschaft. Dann das Bedürfnis nach Wahrheit („Was ist das?“), nach Gerechtigkeit („Ist das richtig?“), nach Angenommen sein, nach Freude, Freiden, ewigen Leben, nach Unendlichkeit. Das sind die echten und ursprünglichen Bedürfnisse eines Menschenherzens.

Silvia: Und du meinst, diese Bedürfnisse werden nicht gedeckt durch Geld und großen Besitz?

P. Rainer: Silvia, ich glaube die Antwort darauf kannst du dir selber geben.

Silvia:  Sicherlich, wer viel besitzt und Geld hat, kann sich nicht sicher sein, das die Menschen zu ihm nett sind, ihn um sich haben wollen, und nette Dinge sagen weil sie ihn meinen oder vielleicht doch eher eben sein Geld, Besitz und Ansehen. Das sie sich erhoffen davon in irgend einer Form etwas abzubekommen. Sei es nun materiell oder dadurch, dass sie weil sie diesen reichen und angesehen Menschen kennen auch etwas von dem Ansehen abbekommen und ebenfalls angesehener sind.
Warum meinen dann so viele Menschen, dass sie z.B. durch das Geld glücklich werden?

P. Rainer: Da müssen wir bis zum sogenannten Sündenfall im Paradies zurückgehen: Seitdem hat der Mensch seine Unschuld, sein vertrautes Zusammenleben mit Gott in Freude, Glück und Frieden verloren. Seitdem flieht der Mensch seine Zugehörigkeit zu Gott und der Wunsch nach dem Haben, nach dem Gelten und nach der Macht ist lebendig geworden.

Silvia: Seitdem begnügt sich der Mensch seiner Triebbefriedigung?

P. Rainer: Ja und vergisst dabei die tiefen und echten Bedürfnisse seines Herzens.

Silvia: Er vergisst sie aber sie sind da.

P. Rainer: Sich sind sie da, wie die Glut unter der Asche. Wenn du ein wenig stocherst, kommen sie zum Vorschein.

Silvia: Z.B. auch, wenn oberflächliche Erwartungen im Leben wegbrechen, durch starke, schmerzlicher Erfahrungen, wenn die Frage kommt: Warum? Warum mir?

P. Rainer: So ist es. Aber mit den Augen Gottes: Hat ein solcher Mensch nicht Glück gehabt?

Silvia: Inwiefern?

P. Rainer: Eben weil er jetzt die Chance hat, richtig Mensch zu werden und nicht Sklave des Konsums, seiner Triebe, seiner Instinkte und dessen was alle tun und denken und sagen.

Silvia: Und du meinst, dass die ursprünglichen, tiefen und echten Bedürfnisse des Menschen durch Jesus gestillt werden?

P. Rainer: Darf ich diese Frage an dich richten? Antworte ehrlich!

Silvia: Das ist gemein! Aber ich kann ehrlich sagen, dass es so ist: Ich kenne niemanden hier auf der Erde, der meinen Durst nach Geliebt werden, nach Lieben können, nach Wahrheit, Sicherheit, Freude, Frieden und Unendlichkeit stillen könnte. Wenn nicht Jesus dann niemand.

P. Rainer: Und hast du auch schon mal erfahren, dass Jesus deinen Durst tatsächlich gestillt hat?

Silvia: Ich müsste Lügen, wenn ich nein sagen würde. Aber trotzdem habe ich in mir noch ein Gefühl von Unerfüllt sein.

P. Rainer: Augustinus sagt zu Gott: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir“. Wie schon gesagt: Ein vollkommenes Glücklich sein auf dieser Erde gibt es nicht. Dafür sind wir zu sehr gebrochene, begrenzte und schwache Menschen. Aber ich möchte behaupten: Je mehr wir uns Jesus nähern, desto erfüllter werden wir, desto mehr werden alle ursprünglichen Bedürfnisse unseres Herzen gestillt.

Silvia: Hat du die Erfahrung gemacht?

P. Rainer: Ja.

Silvia: Und wie macht man das: Sich immer mehr Jesus nähern?

P. Rainer: Zunächst musst du dich für ihn interessieren, musst ihn kennenlernen wollen, d.h. du musst dich mit ihm beschäftigen: Wie hat er gelebt? Was hat er gesagt? Dann musst du sein Leben und seine Worte zu verstehen suchen, d.h. du prüfst, ob sie den echten und tiefen Bedürfnissen deines Herzens und deines Lebens entsprechen. Wenn du dann für dich erkennst, dass Jesus, sein Leben und seine Worte deinem Bedürfnissen nach Liebe, Wahrheit, Unendlichkeit, Sinn, Frieden entsprechen,k dann beginnt die Nachahmung.

Silvia: Was ist Nachahmung?

P. Rainer: Du suchst vom Kern her so zu leben wie Jesus gelebt hat, d.h. du suchst das zu tun, was er geboten hat zu tun. Man nennt das auch Nachfolge, Gehorsam, Anhängen oder Freundschaft.

Silvia: Sollte der Gehorsam nicht das Thema unseres heutigen Gesprächs sein.

P. Rainer: Ja, sollte es. Es ist wieder mal anders gekommen, wie so oft im Leben. Aber ich denke, dies Einleitung zum Thema Gehorsam war notwendig. Bist du mir böse deshalb?

Silvia: ‚Nein! Nein! Ich bin gespannt auf unser nächstes Gespräch.

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