Die 7 Sakramente - Die Taufe

Letzten Monat erwähnten wir, dass die sieben Sakramente eine der vier Säulen des katholischen Glaubens sind. Sakramente sind von Jesus Christus eingesetzte heilige und heilende Zeichen, die eine innere Gnadenwirkung auf den Empfänger des Sakraments haben. Ein Kirchenvater sagt: „Was an Jesus als Mensch sichtbar war, ist in die Sakramente übergegangen.
Die sieben Sakramente sind:
Taufe, heilige Eucharistie/Kommunion, Firmung, Ehe, heilige Weihe, Beichte und Krankensalbung.

Drei der sieben Sakramente, nämlich Taufe, Firmung und heilige Eucharistie, gelten als die Sakramente der Initiation, d.h. der Eingliederung in die Kirche und den Mystischen Leib Christi.

Die anderen vier Sakramente werden auch als Sakramente der Heilung und des Dienstes für die Gemeinschaft bezeichnet. Einige Sakramente kann man nur einmal in seinem Leben erhalten: Taufe, Firmung und heilige Weihen hinterlassen gewissermaßen ein unauslöschliches Zeichen auf der Seele und können nicht wiederholt werden. Andere Sakramente kann und soll man auch regelmäßig empfangen, wie Buße und Kommunion.

Die Taufe

Durch die Taufe werden wir in die Familie Gottes aufgenommen. Wir können, da wir ‚nur‘ Menschen sind, nicht in diese Familie hinein geboren werden. Durch die Aufnahme in die Familie Gottes werden wir zu Schwestern und Brüder Jesu, und Maria wird zu unserer Mutter. Ähnlich einer Adoption erhalten wir die Rechte und Pflichten der leiblichen Kinder dieser Familie.
Aber die Taufe ist nicht nur eine Art Aufnahmeritual in die Katholische Kirche, sondern es ist vielmehr so, dass durch die Taufe die Erbsünde gewissermaßen abgewaschen wird. Das ist nicht in dem Sinn gemeint, dass ein Säugling bereits vor der Geburt eine Sünde begangen hätte und böse war, sondern Erbsünde ist vielmehr etwas, das in jedem Menschen seit Adam und Eva steckt und von Generation zu Generation weiter gegeben wird. Erst durch die Taufe wird diese Sünde ‚abgewaschen‘. Die Erbsünde ist die natürliche Neigung jedes Menschen zu sündigen. So wie Kinder gegen gefährliche Krankheiten (Kinderlähmung, Rödeln …) geimpft werden, wird unsere Seele durch die Taufe gegenüber Sünde und Versuchung gestärkt. Je mehr sich der Mensch mit Christus vereinigt, desto unempfindlicher wird er gegen die Sünde und vollkommener in der Liebe.

Bei der Taufe wird dem Täufling, bei den Katholiken, dreimal Wasser über den Kopf gegossen, während der Priester oder Diakon (Taufspender) die Trinitarische Taufformel ‚Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes‘ spricht.
Manche Menschen fragen sich, warum Katholiken bereits Säuglinge taufen, wo es in anderen Konfessionen durchaus so ist, dass man mit der Taufe wartet, bis das Kind selbst entscheiden kann.
Dafür gibt es verschiedene Erklärungen:
Ähnlich wie man bei der Geburt von den Eltern einen Namen ‚verpasst‘ bekommt, ist es mit der Taufe. Wenn Eltern mit der Vergabe der Namen für ihre Kinder warten würden, bis diese über ihren Namen selber entscheiden können, gäbe es ein ziemliches Durcheinander, bis es soweit ist. (Man stelle sich eine Familie mit 3 Kindern vor – wie sollten die Eltern ihre Kinder rufen?).
Der tiefste Grund aber liegt im Geschenkcharakter der Taufe: Der Dreifaltige Gott schenkt sich dem Kind, und es wird Kind Gottes, Erbe des Himmels. Die Katholische Kirche glaubt, dass der Geist Gottes, der dem Kind in der Taufe eingegossen wird, selbstätig am Werk ist, auch wenn das Kind sich dessen nicht bewusst ist und noch nichts dazu beiträgt. Gelingt eine Blutübertragung nicht auch im Schlaf? In der Taufe nimmt Gott das Kind sozusagen in seine Arme und sagt ihm: „Du bist mein geliebtes Kind, an dem ich mein Wohlgefallen habe“.
Ein wichtiger Grund liegt auch in der früher sehr hohen Kindersterblichkeit. Früher überlebten viele Kinder nicht die ersten Lebenstage oder das frühe Kindesalter. Durch die Säuglingstaufe wollte die Katholische Kirche sicherstellen, dass die Seelen dieser Kinder nicht ‚verloren‘ gingen, sondern in den Himmel aufgenommen werden. Heute ist die Katholische Kirche davon überzeugt, dass Gott auch solche Menschen rettet, d.h. in den Himmel nimmt, die die eigentliche Taufe nicht empfangen haben. Sie spricht z.B. von der Bluttaufe (Taufe durch Blutvergießen) und der Begierdetaufe.

Was hat es nun mit diesen Taufen auf sich.

Bluttaufe:
In der Zeit der Christenverfolgung, also etwa 60 n.Chr. bis Ende des 3 Jahrhunderts wurden Christen verfolgt und getötet. Die, die sich auf die Taufe, oft auch über Monate oder 1-2 Jahre hin vorbereiteten, um ihren bisherigen heidnischen Glauben abzulegen, um sich taufen zu lassen, nannte man Katechumenen oder Taufbewerber. Diese wurden, wenn sie vor der Taufe getötet wurden, genauso angesehen wie bereits getaufte Christen. Und viele mussten im Römischen Reich im Kampf gegen Gladiatoren und wilden Tieren ihr Leben lassen. In dieser Zeit entstand die Überzeugung, dass man dadurch, dass man für Christus sein Blut vergießt ebenfalls an Gottes Heil teilnimmt, dass Gott diese Märtyrer, die ungetauft ihr Leben gelassen haben, nicht benachteiligt.
Eine andere Art, die Taufe zu erlangen, ist die

Begierdetaufe:
Hier geht die Katholische Kirche davon aus, dass Jesus für alle Menschen gestorben ist, um sie zu erlösen und Gott allen Menschen das Heil wünscht. Nun gibt es aber Menschen, die noch nie etwas von Christus gehört haben. Solange ein Mensch seinem Gewissen folgt und Christus und seine Kirche nicht ausdrücklich zurückweist und bewusst ablehnt, kann dieser Mensch, als sogenannter anonymer Christ, gerettet werden. Die Begierdetaufe soll alle Menschen retten, die ohne eigene Schuld Christus nicht kennen oder noch nie etwas von ihm gehört haben. Gott, der Allmächtige und Allwissende, weiß auch, ob ein Mensch Christus angenommen oder abgelehnt hätte. Man nimmt an, dass, wenn diesen Menschen bewusst gewesen wäre, dass die Taufe heilsnotwendig ist, sie die Taufe ausdrücklich verlangt hätten.

Aber wie geschieht nun die Taufe und welche Rolle spielen die Paten?
Jeder Getaufte muss einen Paten haben, egal ob er als Kind oder als Erwachsener getauft wird. Nach Kirchenrecht ist nur je ein männlicher und ein weiblicher Pate erlaubt. Und diese müssen gewisse Voraussetzungen erfüllen:
- es darf kein Elternteil des Täuflings sein,
- der Pate muss mindestens 16 Jahre alt sein,
- es muss ein praktizierender Katholik sein, der regelmäßig die Sonntagsmesse besucht,
- er muss gefirmt sein.
Es ist möglich, das der zweite Taufpate einer anderen Kirche angehört, sofern dieser ebenfalls mit der Trinitarischen Taufformel ( im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes) getauft wurde – z.B. ein Protestant oder orthodoxer Christ. Die Taufen anderer Kirchen, die die Trinitarische Taufformel nutzen, werden von der Katholischen Kirche anerkannt (Gläubige, die konvertieren möchten und in einer anderen Kirche mit der Trinitarischen Taufformel getauft wurden, werden nicht nochmals bei Eintritt in die Katholische Kirche getauft).
Pate zu sein bedeutet im Allgemeinen, dass man an Weihnachten und am Geburtstag dem Patenkind Geschenke überreicht, doch eigentlich bedeutet es mehr: Dass man für den Täufling ein gutes Zeugnis christlichen Glaubens ablegt, Beispiel und christliches Vorbild für das Patenkind ist. Früher kam dem Paten noch eine weitere Aufgabe zu, nämlich für das Patenkind zu sorgen und es zu erziehen, im Falle, dass die Eltern verstarben. Deswegen war es früher durchaus üblich, zwei Paten zu haben, damit, falls der eine die Versorgung des Kindes nicht leisten konnte, der zweite einspringen und die Versorgung und Erziehung übernehmen konnte.

Wie vollzieht sich nun der eigentliche Taufvorgang?
Der Täufling erscheint weiß gekleidet, um die Reinheit des Glaubens und die Reinigung, die sich in der Taufe vollzieht, zu symbolisieren. Getauft wird durch einen Priester oder Diakon (Taufspender), doch im Notfall kann und soll jeder taufen, z.B. wenn das Leben des Täuflings in Gefahr ist.
Bei der Taufe fragt der Taufspender die Eltern: ‚Welchen Namen haben sie Ihrem Kind gegeben?‘, worauf die Eltern laut und deutlich den Namen nennen. (Dieser Teil entfällt bei einer Erwachsenentaufe) Dann fragt der Taufspender: Was erbitten Sie von der Kirche Gottes für ihr Kind?‘, worauf die Eltern wieder laut und deutlich antworten: ‚Die Taufe´. Nun werden die Eltern und Paten gefragt, ob sie gewillt und bereit sind, das Kind im christlichen Glauben zu erziehen.
Dann macht der der Taufspender symbolisch ein Kreuz auf die Stirn des Täuflings. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Täufling durch das Kreuz Christi erlöst wird. Eltern und Paten tun das gleiche.
Nun wird eine Bibelstelle vorgelesen, die auf die Taufe anspielt. Es folgen einige Gebete. Danach folgt die Salbung auf der Brust. Dazu nutzt der Taufspender das Katechumenenöl. Das Öl steht als Zeichen für den geänderten Status des Täuflings. Er gehört nun nicht mehr der Welt an, sondern zu Gott. Daruf segnet der Taufspender das Taufwasser. Es ist ein Zeichen für das neue Leben und für das Abwaschen der Sünden. Die Gebete, die der Taufspender spricht, erinnern an die besondere Stellung, die Gott dem Wasser, als Lebensspender, zugedacht hat und an seine besondere Rolle in der Heilsgeschichte. Jesus wurde mit dem Wasser des Jordan von Johannes dem Täufer getauft, und aus seiner Seitenwunde am Kreuz flossen Blut und Wasser zur Vergebung der Sünden.

Danach werden Eltern und Paten gefragt, ob sie Satan, dem Bösen und der Verlockung widersagen wollen, worauf die Antwort ‚Ich widersage‘ ist. Als nächstes werden Eltern und Paten nach ihrem Glauben befragt
‚Glauben Sie an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde?‘ Die Antwort hierauf ist ‚Ich glaube‘. Als nächstes folgt die Frage: Glauben Sie an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, der geboren ist von der Jungfrau Maria, der gelitten hat und begraben wurde, von den Toten auferstanden ist und zur Rechten des Vaters sitzt?‘ – Hierauf wird wieder mit ‚Ich glaube‘ geantwortet.
Zum Schluss fragt der Taufspender noch: Glauben sie an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, die Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben?‘ Auch hierauf wird mit ‚Ich glaube‘ genantwortet.

Nun folgt die eigentliche Taufe. Alle Verwanden versammeln sich um das Taufbecken und der Täufling wird über das Taufbecken gehalten. Der Taufspender gießt nun dreimal Wasser über den Kopf des Täuflings. Dabei sagt er: Ich taufe dich (Name des Täuflings) im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes. Amen‘
Anschließend salbt er den Täufling mit Chrisam auf die Stirn. Dies ist ein Symbol dafür, dass der neue Christ im Namen Jesu Christi (Christus bedeutet ‚der Gesalbte‘) getauft wurde. Nun wird dem Täufling noch ein Taufkleid aufgelegt und die Taufkerze wird an der Osterkerze entzündet. Zum Schluss beten alle zusammen das Vater unser, und alle Anwesenden erhalten einen Segen.

Da die Taufe ein freudiges Ereignis ist, wird sie – wenn möglich – auch festlich begangen mit Liedern, Musik und in froher und dankbarer Stimmung aller Anwesenden.

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