Die Heilige Messe

In den letzten Monaten haben wir einiges über die Sinne gesprochen, die im Katholischen Glauben angesprochen werden. Jetzt wollen wir uns ansehen, wie unsere Sinne bei der Heiligen Messe voll zum Einsatz kommen.

Nein, wir reden bei einer Messe nicht von einer Handelsveranstaltung a la IAA oder Buchmesse, sondern wir sprechen von der wichtigsten, zentralen und heiligen Form des Gottesdienstes, von der Heiligen Eucharistie (leitet sich aus dem griechischen ab: eucharistein – was Danksagung bedeutet)

In der Feier der heiligen Messe wird das Opfer, das Jesus Christus am Kreuz darbrachte, auf unblutige Weise gegenwärtig. Es ist keine Darstellung wie ein Theaterstück, es ist das Opfer Jesu Christi selbst.

Jesus Christus opfert sich, durch den geweihten Priester, selbst. Als Opfergabe ist er der, der geopfert wird. Durch die Priesterweihe handelte der Priester ‚in Persona Christi‘ (in der Person Christi).

Aber woher kommt dieser manchmal doch recht irreführende Begriff Messe?

Wenn eine Messe auf Latein gefeiert wird, sagt der Priester oder Diakon zum Schluss: ‚Ita missa est‘, was grob übersetzt wurde zu ‚Geht, die Messe ist aus‘. Missa wird normalerweise als Nomen mit Messe übersetzt, ist aber tatsächlich ein Verb, stammt von dem Wort mitto/mittere ab und heißt soviel wie senden. Somit ist die richtige Übersetzung von ‚Ita missa est‘ ‚Geh, du (Gemeinde) bist ausgesandt‘. Zum Schluss heißt es also nicht, dass die Messe aus ist, sondern dass jemand gesandt wird. Nicht das Ende der Messe, sondern der Beginn der Sendung der Christen in die Welt, in die kommende Arbeitswoche ist gemeint.

Eines ist ganz wichtig: Die bloß körperliche Anwesenheit genügt nicht! Neben den verbalen Worten und körperlichen Gesten muss vor allem die innere Teilnahme gewährleistet sein.

Ziel ist es, sich darauf vorzubereiten, den Leib und das Blut Christi zu empfangen. Die Messe ist nicht nur eine einfache Wiederholung eines alten Rituals. Sie kombiniert Vergangenheit (durch die genauen Worte Jesu beim Abendmahl), Gegenwart (Anwesenheit Jesu während der Feier der Eucharistie) und Zukunft (Vorgeschmack auf das himmlische Abendmahl, von dem Jesus sprach).

Der heilige Thomas von Aquin (dominikanischer Theologe aus dem 13. Jahrhundert) sagt, dass die heilige Eucharistie, vor allem in der Messe, die Gläubigen daran erinnert, was Jesus durch sein Opfer für die Menschen in der Vergangenheit getan hat. Er ist durch seine Realpräsenz in der konsekrierten Hostie und im Wein während der Messe gegenwärtig. Und durch die Speise des ewigen Lebens verspricht er den Gläubigen die Herrlichkeit des Himmels für die Zukunft. Eine heilige Messe besteht aus zwei Teilen. Zu Beginn steht der Wortgottesdienst, während dessen es Lesungen aus der Bibel und Auslegungen des Priesters gibt. Der zweite Teil ist die Feier der heiligen Eucharistie, dem Schwerpunkt der Messe.

Bevor wir zum Wortgottesdienst kommen, müssen wir noch ein paar Begriffe erläutern.

Die Lesungen des Wortgottesdienstes sind weltweit für jeden Tag gleich festgelegt und überall die gleichen. Diese werden, der leichteren Handhabung wegen, nicht aus der Bibel direkt genommen, sondern werden entweder aus dem Lektionar oder dem Evangeliar gelesen.

Das Lektionar hat normaler Weise einen roten Einband und enthält ausschließlich Texte der Heiligen Schrift. Was nicht in der Bibel steht, findet man auch nicht im Lektionar. Der einzige Unterschied zwischen Lektionar und Bibel ist Anordnung und Reihenfolge der Texte. So erspart sich der Lektor und Priester die Suche der entsprechenden Stellen der Tageslesung in der Bibel.

Die andere Möglichkeit besteht darin, die Lesungen des Evangeliums aus dem Evangeliar vorzulesen. Dieses enthält ausschließlich die Evangelien (nach Markus, Matthäus, Lukas und Johannes). Das Vortragen aus dem Evangeliar ist feierlicher, da es die Worte und die Taten von Jesus Christus enthält. Das Evangelium wird nur vom einem Diakon, Priester oder dem Bischof vorgelesen und bei festlichen Gottesdiensten mit Weihrauch inzensiert. Die erste Lesung aus der Heiligen Schrift, die Psalmen und Episteln, werden normalerweise von einem Lektor (hat die Beauftragung durch den Bischof erhalten für die Lesungen während eines Gottesdienstes) vorgelesen. Manchmal werden die Psalmen auch von dem Kantor gesungen. Als Kantor (lateinisch: cantare - singen; cantor - Sänger) bezeichnet man den Vorsänger oder den Chorleiter im Gottesdienst.

Wer die Texte, zwecks besseren Verständnisses, mitlesen oder sich im Vorfeld mit den Tageslesungen beschäftigen möchte, kann alle Texte im Schott mitlesen. An jedem Sonntag erfolgen die Lesungen in einem 3 Jahreszyklus (A, B und C). Wenn man also jeden Sonntag in den Gottesdienst geht, hat man in 3 Jahren die Evangelien einmal komplett vorgelesen bekommen. Es gibt 3 Lesungen: Eine aus dem Alten Testament, eine aus den Briefen oder der Apostelgeschichte des Neuen Testaments und eine aus einem der vier Evangelien.

Werktags (Montag bis Samstagvormittag) werden die Evangelien in einem Zweijahreszyklus vorgelesen (Lesejahr I – sind alle ungeraden Jahre – also 2013, 2015; Lesejahr II sind alles geraden Jahre – also 2012, 2014…). Hier gibt es 2 Lesungen: Eine aus dem Alten Testament oder aus den Briefen oder der Apostelgeschichte des Neuen Testaments und eine aus einem der vier Evangelien.

Ist es Ihnen schon mal aufgefallen, dass es Anlässe gibt, an denen nicht ein Priester die Predigt hält?

Da gibt es ein kleine Besonderheit: Der Bischof oder Ortspfarrer kann einen Laien oder Ordensbruder damit beauftragen, unter bestimmten Umständen eine Predigt zu halten. Allerdings darf derjenige ‚uns die Leviten lesen‘ zu einem bestimmten Thema, aber er darf keine Auslegung des Evangeliums vornehmen. An Sonn- und Festtagen ist die Homilie – Auslegung des Evangeliums – verbindlicher Bestandteil der Messfeier, an anderen Tagen, sowie im Stundengebet oder in Wort-Gottes-Feiern kann sie gehalten werden. Innerhalb einer heiligen Messe ist die Homilie kirchlichen Amtsträgern vorbehalten, außerhalb der Messfeier kann sie auch von Laien gehalten werden.

Das war jetzt ziemlich viel Theorie über die Liturgie, nächsten Monat geht es weiter mit der eigentlichen Feier der heiligen Messe, die Feier des Wortgottesdienstes und die Feier der Eucharistie dran. Aber dazu dann nächsten Monat mehr. Wir wollen es ja nicht übertreiben und alles auf einmal verraten. Also dann bis nächstes Jahr. Wir, die Brüder von Marienthal und all unsere Helferinnen und Helfer wünschen allen unseren Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

06912 Besuche06912 Besuche06912 Besuche06912 Besuche06912 Besuche


© www.marienthal.franziskaner.de