Katholische Symbole und Gesten – Teil II

Letzen Monat hatten wir Ihnen ein paar Gesten und Symbole in der Katholischen Kirche erklärt.
Diesen Monat wollen wir noch ein wenig weiter machen und uns ansehen, welche Sinne bei Katholiken weiter angesprochen werden: Was sagt uns z.B. die Farbe des Priestergewands?

Der Katholische Glaube spricht alle Sinne des Menschen an, damit er Gott auch mit allen Sinnen wahrnehmen kann. Gott und der Heilige Geist finden Eingang in die Seele des Menschen und wirkt dort; er kann weder gehört, gesehen, gerochen, berührt noch geschmeckt werden. Damit der Körper etwas spüren kann, werden verschieden Symbole genutzt, um Gott und den Heiligen Geist wahrzunehmen.

Sehen: Da Gott reiner Geist ist und nicht gesehen werden kann, ist es nicht möglich ihn darzustellen. Früher war es den Menschen verboten, sich ein Bild von Gott zu machen, da man Ihn nicht gleich den heidnischen Völkern als Götzenbild anbeten durfte. Der Gott Abrahams und Moses war ein namen- und bildloser Gott, da man annahm dass, wenn man seinen Namen kenne und sich ein Bild von ihm mache, man ihn ‚im Zaum halten‘ und auf ihn Einfluss nehmen könne, so wie es unter den heidnischen Völkern verbreitete Ansicht war. Nachdem der christliche Glaube sich verbreitet hatte und weil Gott in seinem Sohn Jesus Gestalt angenommen hatte, verschwand diese Angst.
Die Kunst fing an, Gott in Symbolen darzustellen.
Gottvater wurde meist als ein alter Mann mit wallendem Bart und weißen Gewändern dargestellt. Heute haben Darstellungen von Gott auch asiatische oder afrikanische Gesichtszüge, da es ja nicht nur der Gott der Europäer ist, sondern der Gott aller Menschen dieser Welt.
Jesus wird meist als junger Mann mit langem Haar und Bart dargestellt, nach der Vorlage des Turiner Leichentuches.
Der Heilige Geist wird meist als Taube dargestellt, weil es im Evangelium heißt, Markus  1,9-11
In jenen Tagen kam Jesus aus Nazareth in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Wenn Sie schon einmal in einer katholischen Messe waren, ist Ihnen vielleicht aufgefallen, dass die Priester verschieden farbige Gewänder tragen. Nein, die Priester stehen nicht vor dem Schrank mit Messgewändern und überlegen sich, welche Farbe ihnen denn heute gefallen würde! Die Farbe zeigt an, welche Art von Messe gefeiert wird.
Grün ist die Farbe des Jahreskreises und wird bei Messen zu keinem besonderen Gedenk- oder Festtag getragen.
Weiß oder Gold wird an den Gedenktagen der Heiligen getragen, sofern sie keine Märtyrer sind, sowie an Ostern und Weihnachten.
Rot wird an Pfingsten getragen und soll die Feuerzungen des Heiligen Geistes symbolisieren. Aber auch an den Märtyrerfesten wird Rot getragen, zur Erinnerung daran, dass diese Menschen ihr Blut für Christus vergossen haben.
Violett wird in der Advents und in der Fastenzeit getragen und ist die Farbe der Umkehr und Buße
Rosa wird als Zeichen der kommenden Freude am dritten Adventssonntag und am vierten Fastensonntag getragen.
Und schließlich kann Schwarz bei Beerdigungen getragen werden als Farbe der Trauer– Hier wird aber durchaus auch Violett oder Weiß als Farbe der Auferstehung genutzt – außerdem ist es die Farbe, die an Allerseelen getragen wird.
Sie sehen auch hier steckt wieder viel Symbolkraft dahinter.

Berühren: Der Tastsinn kommt ebenfalls bei den katholischen Gottesdiensten zum Einsatz.  Bei der Taufe etwa wird dem Täufling Wasser über seinen Kopf gegossen. Bei der Krankensalbung wird das Öl auf Stirn und Handinnenfläche gerieben. (Bei der Krankensalbung eines Priesters wird nicht die Handinnenfläche gesalbt, denn da wurde er bereits gesalbt als er von Bischof zum Priester geweiht wurde, hier wird das Öl auf den Handrücken gerieben). Bei der Firmung wird Chrisam (ein spezielles Öl mit Balsamzusatz, das vom Bischof während der sogenannten Chrisammesse, wie auch das Kranken- und Katechumenenöl, geweiht wird), auf die Stirn des Firmlings aufgetragen.
Beim Rosenkranzgebet fühlt der Mensch die Perlen des Rosenkranzes, während er über die Geheimnisse Jesu und Marias meditiert. Am Aschermittwoch wird aus der Asche der Palmzweige des Vorjahres ein Kreuz auf die Stirn gemacht. Die Gläubigen können sich selbst segnen, wenn sie Weihwasser nehmen und das Kreuzzeichen machen.

Riechen: Der Geruchssinn wird durch den Weihrauch, der bei den Messen und eucharistischen Andachten zum Einsatz kommt, angesprochen. Dies ist sowohl ein Symbol für die althergebrachten Rauchopfer, deren Duft zu Gott in den Himmel aufsteigen soll, hat aber auch – in früheren Zeiten – einen praktischen Hintergrund. Im Mittelalter verbrannte man Weihrauch in den Kirchen, um den Geruch zu verbessern. Gerade an heißen Sommertagen, zu einer Zeit, in der man noch nicht an Deo’s dachte, war der Gebrauch von reichlich Weihrauch bestens dazu geeignet den Geruch in der Kirche nun sagen wir mal angenehmer zu gestalten.

Hören: In jeder Messe gibt es die Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament. Aber auch die Predigt des Priesters, der Gesang und das Gebet der Gemeinde und des Priester während der Messe dienen dazu, dass der Mensch wesentliche Informationen aus der Heiligen Schrift erhält und aktiv am Gottesdienst teilnimmt. Aber es gibt noch mehr zu hören. Etwa 15 Minuten vor Messbeginn werden in der Regel mehrere Minuten lang die Glocken geläutet, damit die Gläubigen wissen: Gleich geht’s los, also Socken scharf machen und ab zur Kirche. Während des Gottesdienstes wird von den Ministranten geklingelt, damit die Gottesdienstbesucher wissen, dass jetzt gerade etwas Besonderes am Altar vor sich geht. Dies ist im Übrigen auch der Fall, wenn bei einer Andacht mit dem Leib Christi in der Monstranz  den Andachtsbesuchern der Segen gegeben wird. Am Karfreitag gibt es kein Klingeln während des Gottesdienstes, hier ertönt ein Klappern mit Holzbrettern als Zeichen dafür, dass Jesus als Mensch gestorben ist. Am Ostersonntag gibt es dann wieder ausgiebiges Klingeln als Zeichen der Freude über die Auferstehung Jesu. Last but not least ist in jedem feierlichen katholischen Gottesdienst festliches Orgelspiel zu hören (ebenso auch in evangelischen Gottesdiensten), sei es als musikalische Begleitung der Lieder, sei es als Vor-, Zwischen- und Nachspiel oder als eigenes Orgelkonzert. In Marienthal haben wir die Freude, in Dr. Christopher Klein einen Meister im Orgelspiel zu haben, der zudem selbst mitgeholfen hat, die Marienthaler Orgel zu bauen und sie auch ständig weiterentwickelt.
Zu guter Letzt kommen wir noch zum

Schmecken: Auch der Geschmackssinn wird bei der Eucharistiefeier betätigt. Hier bekommt der Gläubige die heilige Eucharistie, die zwar immer noch nach ungesäuertem Brot und Wein schmeckt, aber der wirkliche Leib und das wirkliche Blut Jesu ist. Der hl. Augustinus sagt: „Visus, tactus, gustus in te fallitur“, d.h. „Sehen, Berühren, Schmecken täuschen sich in Dir“ (= sind etwas anderes als man sieht, berührt und schmeckt). Hier greift der Glaube, denn der Leib Christi wird also solcher, geschmacklich , nicht wahrgenommen, sondern nur in seiner Konsistenz und Geschmack als Wein und Oblate. Ebenso verhält es sich bei der Taufe, hier wäscht das Wasser nicht den Leib des Täuflings, sondern es wäscht die Sünden ab. Oder auch das Chrisamöl bei der Krankensalbung: Es hat rein medizinisch keine Wirkung, allerdings stärkt und heilt es die Seele in der Krankheit.

Damit für heute erst mal wieder Schluss, aber wir sind noch nicht am Ende. Es geht weiter und das nächste Mal befassen wir uns mit der Heiligen Messe.

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