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Vernunft und Glauben

SILVIA: Sag mal; Ist es vernünftig zu glauben?

P. RAINER: Glauben ist Vernunft. Ohne den Glauben kannst Du nicht vernünftig sein. Ohne Glauben keine Vernunft.

SILVIA: WIE BITTE ??

P. RAINER: Ich will Dir das erklären. Siehst Du diesen Tisch da?

SILVIA: Ja, sicher?

P. RAINER: Wer sagt Dir, dass das ein Tisch ist?

SILVIA: Das ist doch offensichtlich. Das sehe sich doch. Das erkenne ich sofort, das sagt mir meine Vernunft, da brauche ich nun  wirklich nicht glauben.

P. RAINER: Richtig! Das ist die Seite der Vernunft: die direkte Erkenntnis. Tja, und die andere Seite ist der Glaube.

SILVIA: Wie das?

P. RAINER: Vor fünf Minuten kamst Du zu mir und sagtest: „Da ist jemand an der Pforte, der möchte Dich sprechen.“ Woher weiß ich, dass da jemand an der Pforte ist der mich sprechen will?

SILVIA: Na, weil ich es Dir gesagt haben!

P. RAINER: Weiß ich es wirklich ?

SILVIA: Na klar !

P. RAINER: DU hast es mir gesagt, also weiß ich es. Ich weiß es aber nicht direkt. ICH habe die Person die mich sprechen will nie gesehen, ICH  weiß es durch DICH. Wer sagt mir, dass es wahr ist was Du mir gesagt hast?

SILVIA: Also hör mal! Ich lüg Dich doch nicht an!

P. RAINER: Richtig! Meine Vernunft sagt mir, dass ich Dir vertrauen kann.
Schau: DAS IST GLAUBE.

SILVIA: Ohhhh – so hab ich das noch nie gesehen.

P. RAINER: Wenn Du weiterdenkst, wirst Du erkennen, dass der Glaube die wichtigste Erkenntnisquelle der Vernunft ist.

SILVIA: Das musst Du mir aber mal genauer erklären.

P. RAINER: Unsere Vernunft ist etwas sehr Lebendiges. Für jedes Objekt hat sie ihre Methode, um es zu erkennen. Die mathematische Methode  z.B. kann einen Kilometer in tausend gleiche Teile teilen. Durch den Gesichtssinn erkennt sie, dass dort ein Tisch steht. Aus der Erfahrung weiß sie, dass hier ein lieber Mensch steht.
Das nennt man die direkte Methode der Erkenntnis oder auch Evidenz, die Offensichtlichkeit.
Unsere Vernunft kennt aber auch die indirekte Methode der Erkenntnis, die für sie nicht weniger wichtig ist. Und das ist der Glaube. Das hast du eben am Beispiel mit der Pforte ja schon gesehen.

SILVIA: Gut… aber wieso soll der Glaube die wichtigste Erkenntnisquelle der Vernunft sein?

P. RAINER: Man nennt den Glauben auch die Erkenntnis, die durch ein Zeugnis vermittelt wurde. Ohne diese Erkenntnisquelle durch ein Zeugnis, durch einen Zeugen, gäbe es unsere ganze Kultur nicht und kein menschliches Zusammenleben .

SILVIA: Heee, wie das nun wieder?

P. RAINER: Ich sage Dir zwei Beispiele und Du wirst es verstehen.
Das erste Beispiel ist:
Du schickst Dein Kind zur Schule. Warum? Damit es eingeführt wird in das menschliche Wissen, in die menschliche Kultur. Von wem? Durch einen Lehrer, dem Du vertraust und dem Dein Kind vertraut, dass es wahr ist, dass ihm kein Humbug erzählt wird. Und der Lehrer…. er vertraut seinerseits darauf, dass das, was er durch das Zeugnis anderer gelernt hat, wahr  und sicher ist.

SILVIA: mmmh, gut …….. und das zweite Beispiel?

P. RAINER: Angenommen, Du willst in eine Eisdiele, um ein Eis zu kaufen. Vor der Eisdiele steht ein guter Bekannter von Dir und zittert am ganzen Körper. Du sagst ihm: „Hallo, was ist mit Dir los?“ Der Bekannte antwortet: „Ich will da hinein, um ein Eis zu essen.“ Woraufhin Du ihm sicherlich sagen wirst: Dann komm doch mit mir, ich will auch gerade ein Eis dort essen gehen!.“ „ ABER …… aber“ kommt es dann voller Entsetzen aus Deinem Bekannten heraus, „ und wenn sie Gift in das Eis getan haben?“ Was würdest Du Ihm antworten?

SILVIA: ICH würde den Krankenwagen rufen.

P. RAINER: Siehst Du; Die Summe des Vertrauens, des Glaubens – Glaube ist das sichere Vertrauen in das Zeugnis eines anderen, der es wissen muss – aller Leute, die in die Eisdiele gehen, ermöglicht es Dir, in dieser Eisdiele beruhigt und ohne die geringste Sorge Dein Eis zu essen.

SILVIA: Ahhhha, jetzt versteh ich.

P. RAINER: Und so baut unsere Kultur, die Geschichte und das ganze menschliche Zusammenleben auf genau dieser Art der Erkenntnis auf, die man Glauben nennt.
Es ist eine Erkenntnis durch Glauben, eine indirekte Erkenntnis, die Erkenntnis einer Wirklichkeit durch die Vermittlung eines Zeugnisses.
Darauf baut die ganze Erziehung auf, der größte Teil der Wissensvermittlung und fast das ganze menschliche Zusammenleben. Man kann sagen: Die Methode des Glauben ist diejenige, bei der die Vernunft am meisten zur Geltung kommt.

SILVIA: Da ist mir aber jetzt wirklich einiges klarer geworden.

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